Wissen, was drin steckt

Eine bessere Lebensmittelkennzeichnung soll helfen herauszufinden, wie gesund ein Produkt ist.
Schauen Sie doch mal genauer hin, was der Lieblingsjoghurt zu bieten hat. Auf der Verpackung können Sie nachlesen, wie viel Kalorien, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate enthalten sind. Aber aufgepasst! Die Angaben beziehen sich nicht auf den gesamten Inhalt – bei einem Joghurt sind das in der Regel 125 g, 150 g, 200 g oder 250 g –, sondern auf eine Portion. Was eine Portion ist, legt der Hersteller fest und das ist häufig unrealistisch. Bei Joghurt sind es beispielsweise 100 g, bei Knabbereien wie Kartoffelchips entspricht eine Portion vielleicht gerade einer kleinen Handvoll. Kaum einer lässt jedoch einen kleinen Joghurtrest im Becher oder greift nicht mehrfach in die Chipstüte. Also ist Kopfrechnen gefragt, und wer es genau wissen will, bemüht am besten Waage und Taschenrechner.
Gesetzentwurf zur Nährstoff- und Kalorienkennzeichnung
Um die Nährwertinformationen für Verbraucher verständlicher und europaweit einheitlich zu gestalten, wurden in den letzten Monaten neue Kennzeichnungsvorschriften diskutiert. Das Ampelmodell sieht z. B. vor, dass die einzelnen Nährwertangaben mit Signalfarben markiert sind. Rot steht für einen hohen, Gelb für einen mittleren und Grün für einen niedrigen Gehalt. Dieses Modell, in Großbritannien bereits im Einsatz, wurde jedoch vom Europaparlament abgelehnt. Zustimmung fand ein Gesetzentwurf, der vorsieht, dass Schlüsselinformationen zum Nährwert wie der Energiegehalt, Fette, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz im „Hauptblickfeld der Verpackung“ angegeben werden müssen. Wie das genau aussehen wird, ist noch unklar. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz propagiert, dass zusätzlich zum absoluten Energie- und Nährstoffgehalt auch der prozentuale Anteil, bezogen auf die Richtwerte für die tägliche Zufuhr, angegeben wird. Als Grundlage hierfür dienen die sogenannten GDA-Werte. GDA steht für Guideline Daily Amounts, zu Deutsch etwa „empfehlungsgemäße Tagesmenge“. Diese Werte sind allerdings mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten: Die empfohlene Tagesmenge bezieht sich auf den Bedarf eines Durchschnitts-Erwachsenen – aber wer entspricht schon dem Durchschnitt?
Der Verband der europäischen Lebensmittelindustrie hat Durchschnittswerte von 2.000 Kilokalorien pro Tag für Frauen und 2.500 Kilokalorien pro Tag für Männer festgelegt. Wer hier mitrechnen will, muss seinen Bedarf kennen und sollte auch den Taschenrechner wieder griffbereit haben. Dann lässt sich mit Hilfe des klassischen Dreisatzes etwas genauer berechnen, wie viel vom persönlichen Tagesbedarf an Zucker, Fett und Kalorien ein Lebensmittel deckt.
Von der Theorie zur Praxis
Sich mit Rechner und Bedarfstabelle durch die Supermarktregale zu kämpfen, ist weder realistisch noch notwendig. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass alle Angaben lediglich grobe Richtwerte sind. Eine einheitliche Kennzeichnung ist sinnvoll und hilfreich, um sich zu orientieren und Produkte gezielt auswählen zu können: Wer z. B. besonders auf den Fett- oder Salzgehalt achten möchte, kann ähnliche Produkte anhand der aufgedruckten Werte leichter vergleichen. Auch die Kalorienangaben lohnen einen kritischen Blick. So outet sich so manche Tiefkühlpizza als Kalorienbombe und vermeintlich gesunde Snacks wie Müsliriegel, Salatsoßen oder Wellness-Getränke werden nicht selten z. B. eines besonders hohen Fett- oder Zuckergehaltes überführt.
Bleibt also zu hoffen, dass neue Kennzeichnungsregeln dazu beitragen, das Bewusstsein für den Nährwertgehalt von Lebensmitteln zu schärfen. Wer etwas Mühe investiert, kann seine Lieblingsprodukte besser kennenlernen – und seine Ernährungsgewohnheiten eventuell überprüfen.
November 2010

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