Allergen- und schadstoffarmes Wohnen

Dicke Luft durch Lacke und Farben

Tipps

Kaufen Sie Farben immer nach dem Verwendungszweck. Im Wohn- und Schlafbereich reichen wischfeste, wasserlösliche Farben. Waschbeständige Farben sind höchstens in Küche oder Bad sinnvoll.

Je widerstandsfähiger und strapazierfähiger eine Farbe ist, desto mehr schädliche Chemikalien enthält sie in der Regel auch.

Lacke immer sparsam verwenden.

Benutzen Sie beim Auftragen der Farben möglichst keine Sprühdose, sondern Pinsel oder Malerrolle. Ansonsten unbedingt eine Atemschutzmaske tragen.

Frische Farben heben die Stimmung. Doch wenn in den ersten Wochen nach dem neuen Anstrich Farben und Lacke ausdünsten und gesundheitsschädliche Chemikalien in die Raumluft abgeben, bekommt die Farbenfreude schnell einen gewaltigen Dämpfer.

Die Renovierungsarbeiten sind geschafft, Wände und Möbel erstrahlen im neuen Glanz. Doch während der Raum optisch aufgewertet wurde, trägt möglicherweise das Wohnklima ungewollt Schaden davon. Verschiedene Bestandteile der handelsüblichen Anstrichstoffe, beispielsweise Lösungsmittel und Hilfsstoffe, die die Verarbeitung und Haltbarkeit der Farben und Lacke verbessern sollen, entpuppen sich als wahre Wohnraumgifte. Sie dünsten langsam aus, gehen nach und nach in die Raumluft über und können so zu einer Gesundheitsbelastung werden. Nicht selten klagen Maler und Handwerker, Heimwerker und Bewohner frisch renovierter Räume über plötzlich auftretende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Hautausschlag, Reizungen der Schleimhäute, trockene und brennende Augen und allgemeines Unwohlsein. Häufig lässt sich nicht genau feststellen, welcher Einzelstoff Auslöser der Gesundheitsprobleme ist – die Summe macht´s. Um die Risiken möglichst gering zu halten, sollte sich jeder, der Malerrolle oder Pinsel in den Farbtopf taucht, über die Inhaltsstoffe der Farben informieren.

Farben und Lacke haben es in sich

Das Angebot an Anstrichstoffen, auch solchen, die als schadstoffarm bezeichnet werden, ist groß. Im Wesentlichen setzen sich alle Produkte aus vier Komponenten zusammen: Bindemitteln, Pigmenten, Lösemitteln und Hilfsstoffen. Den eigentlichen Farbanstrich machen Bindemittel und Pigmente aus. Erstere dienen dazu, die Pigmente, also die Farbmittel, gleichmäßig zu verteilen und untereinander und mit dem Untergrund zu verbinden. Sie werden zumeist aus Tier- oder Pflanzenleimen, Natur- oder Kunstharzen und Naturölen hergestellt und gehören zu den unbedenklicheren Bestandteilen der Anstrichstoffe.

Tipps

Sorgen Sie beim Streichen und während des Trocknens für ausreichende Frischluftzufuhr.

Während der Arbeit nicht essen, trinken oder rauchen. Die ausgasenden Inhaltsstoffe werden ansonsten direkt mit den Nahrungsmitteln vom Körper aufgenommen.

Augen und Haut müssen vor Lackspritzern geschützt werden.

Falls es bei Ihren Anstricharbeiten zu Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen und Unwohlsein kommt, sollten Sie die Arbeit sofort unterbrechen und sich längere Zeit im Freien aufhalten. Lassen die Beschwerden nicht nach, gilt der dringende Rat, einen Arzt aufzusuchen.

Als Pigmente werden neben natürlichen Erdfarben wie Kreide, Ocker, Grünerde, Umbra oder Pflanzenfarben wie Sepia, Chlorophyll oder Indigo auch synthetisch hergestellte Pigmente aus der Erdölchemie eingesetzt. Besonders problematisch sind dabei Farbpigmente aus Schwermetallverbindungen mit Blei, Zink, Chrom oder Cadmium.

Das größte gesundheitsschädliche Potenzial besitzen jedoch Lösemittel und Hilfsstoffe. Lösemittel dienen dazu, die Streich- und Sprühfähigkeit und eine gleichmäßige Verteilung der Bindemittel auf der Oberfläche zu gewährleisten. Ohne Lösemittel wären die meisten Anstrichstoffe eine zähflüssige Creme oder ein feuchter Klumpen. Das schnelle Verdunsten der Lösemittel beim Antrocknen der Farbe sorgt für eine gleichmäßige Filmbildung und Verbindung mit dem Untergrund. Gleichzeitig gelangen jedoch auch schädliche Substanzen in die Raumluft. Welche Gesundheitsbelastungen durch diese leichtflüchtigen organischen Verbindungen entstehen, kann nicht genau eingegrenzt werden. Neben Haut- und Schleimhautreizungen sind Schädigungen des Zentralnervensystems, der Leber oder der Nieren möglich.

Je nach Anwendungsbereich der Farben und Lacke können bis zu 70 Prozent Lösemittel enthalten sein. Während Wand- und Deckenfarben bereits ohne Lösemittel angeboten werden, lässt sich bei Lacken der Lösemittelanteil lediglich auf etwa zehn Prozent reduzieren. Doch selbst bei lösemittelarmen, wasserverdünnbaren Produkten können nach dem Farbanstrich Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel, Schleimhautreizungen oder allergische Reaktionen auftreten. Das liegt dann möglicherweise an einem oder mehreren der enthaltenen Hilfsstoffe, wie z. B. Weichmachern, Verdickungsmitteln, Trocknungsbeschleunigern, Fungiziden und Konservierungsstoffen. Viele der hier eingesetzten Substanzen sind gesundheitsbelastend.

Die Alternative: Farblos und trist?

Auf einen frischen Anstrich und nötige Renovierungsarbeiten muss man nicht vollständig verzichten. Um sich den Spaß an der Farbe nicht verderben zu lassen, sollte man beim Streichen in Innenräumen auf die Zusammensetzung und Inhaltsstoffe der Farben achten. Ein erstes Auswahlkriterium sind z. B. Produkte, die mit einem unabhängigen Prüfsiegel oder -zertifikat ausgezeichnet wurden, da sie besonders schadstoffarm sind (z. B. das Umweltzeichen Blauer Engel) und gesundheitsbezogene Anforderungen erfüllen. Wer dies bei der Produktwahl berücksichtigt und außerdem während und nach der Arbeit einige Regeln beachtet, kann das Risiko für gesundheitliche Belastungen gering halten und sich frische Farbe ins Haus holen.

Infos

Als gesundheitsgefährdend gelten u. a. die folgenden Inhaltsstoffe von Farben und Lacken: Aldehyde, Benzol, Biozide, Citrusterpene, Formaldehyd, Isocyanate, Methanol, Phthalate, Styrol, Terpene, Toluol, Xylole.

Eine Übersicht über Schadstoffe und Produktkennzeichnungen von schadstoffarmen Farben und Lacken finden Sie im Internet unter:

März 2011

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