Bindehautentzündung bei Allergien

Die Augen sind gerötet, jucken und tränen und man hat das starke Bedürfnis, sich permanent die Augen zu reiben. Einer Entzündung der Bindehaut liegt häufig eine allergische Reaktion zugrunde. Auslöser der Conjunctivitis allergica können Pollen, Staubpartikel oder auch Substanzen in Kosmetikprodukten sein.

Brennende, juckende Augen, ein verquollenes, verheultes Gesicht mit geschwollenen, roten Augenlidern – dahinter steckt keine Frühjahrsdepression, es sind die Pollen, die Jahr für Jahr Millionen Menschen die Tränen in die Augen treiben. Sie leiden unter einer allergischen Bindehautentzündung, der sogenannten Heuschnupfen-Konjunktivitis. Aber nicht nur Pollen können für solche allergischen Reaktionen der Augen verantwortlich sein. Auch andere Allergene, die von außen einwirken, wie beispielsweise allergieauslösende Stoffe in Arzneimitteln und Kosmetika, Hausstaub oder Schuppen von Tieren, sowie eine erhöhte Histaminkonzentration und körpereigene Entzündungsstoffe kommen als Auslöser einer Bindehautreizung infrage.

Anzeichen und Symptome einer Bindehautentzündung

  • Starke Rötung der Augen
  • Juckreiz und Augenbrennen
  • Tränende Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • Schleimige/wässrige Ablagerungen, die u. a. dazu führen, dass morgens die Augenlider verklebt sind
    Mitunter geschwollene Lider

Die Bindehaut

Die Bindehaut ist ein wichtiger Teil der Schutzstrukturen des Auges. Der vordere Teil des Auges wird in erster Linie durch die Augenlider geschützt, die beim Schließen den Augapfel abdecken. Die Augenlider bieten Schutz vor grellem Licht, Wind und anderen mechanischen Einflüssen. Die Wimpern am Rand eines jeden Augenlids sollen verhindern, dass Staubpartikel, kleine Insekten oder sonstige Fremdkörper ins Auge gelangen. Die Bindehaut bildet neben den Augenlidern einen zweiten Schutzwall gegen Fremdstoffe und Keime. Sie zieht sich als dünne, stark durchblutete Schicht vom inneren Augenlid entlang des Augapfels bis zur Hornhaut. In einem Teil der Bindehaut befinden sich Zellen, die ein schleimiges Sekret absondern. Dieses Sekret ist Bestandteil des Tränenfilms. Er sorgt dafür, dass das Auge immer feucht gehalten wird und so Fremdkörper von der Augenoberfläche weggeschwemmt werden.

Die Bindehautentzündung

Mögliche Auslöser einer Bindehautentzündung

Eine Bindehautentzündung entsteht in Folge einer Reizung der Bindehaut und kann ganz unterschiedliche Auslöser haben. Man unterscheidet zwischen:

  • Bindehautentzündungen mit mechanischen, physikalischen und chemischen Ursachen; hierfür können Reizstoffe, z. B. Rauch, Staub, Dämpfe von Chemikalien, Fremdkörper jeder Art, grelles Sonnenlicht, Zugluft, Kälte- oder Wärmebelastungen, Stöße oder Druck verantwortlich sein.
  • allergisch bedingten Bindehautentzündungen, ausgelöst durch Pollen, Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber Kosmetika, Augencremes oder Medikamenten
  • Bindehautentzündung durch Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze

Hinter den Symptomen einer Bindehautentzündung können sich auch andere Augenerkrankungen verbergen, z. B. Entzündungen der Hornhaut, der Regenbogenhaut oder der Lederhaut.

Trotz der verschiedenen Schutzmechanismen sind die Augen anfällig für Allergene und Reizungen. Besonders empfindlich reagiert die mit Blutgefäßen reich bestückte Bindehaut. Fremdkörper, mechanische oder chemische Reize, Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze, aber auch Allergene lösen sofort eine Abwehrreaktion aus. Die Durchblutung wird gesteigert und es kommt zu einer vermehrten Flüssigkeitsabsonderung. Als erstes sichtbares Zeichen fällt die Rötung des betroffenen Auges auf. Das Auge beginnt zu tränen und sondert ein wässriges, mitunter aber auch schleimig- eitriges Sekret ab. Sammelt sich Flüssigkeit zwischen Bindehaut und Augapfel, wirken die Augen “glasig”.

Weitere typische Symptome sind ein Brennen der Augen und starker Juckreiz an den Lidrändern. Häufig sind die Augen jetzt auch sehr lichtempfindlich und man hat das Gefühl, als ob Sandkörner unter den Lidern säßen, die bei jedem Lidschlag reiben. Die Augen sind morgens verklebt, gelegentlich befinden sich Schleimfäden auf der Hornhaut, die aber beim Waschen des Auges verschwinden. Bei einer starken Entzündung schwellen mitunter die Augenlider stark an.

Diagnose

Die Bindehautentzündung ist die häufigste Erkrankung des Auges, die im Normalfall und bei richtiger Behandlung harmlos verläuft. Sie sollte den noch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es könnte sich hierbei auch um eine chronische Erkrankung wie beispielsweise Entzündungen aus dem rheumatischen Formenkreis handeln oder um eine Hornhautverletzung. Deshalb ist es wichtig, dass der Arzt die Ursachen für die Bindehautentzündung abklärt, damit die Entzündung nicht unerkannt fortschreiten und so zu bleibenden Schäden am Auge führen kann.

Kosmetika, die dicht am Auge aufgetragen werden, können eine allergische Bindehautentzündung hervorrufen

Der Augenarzt kann mit entsprechenden Untersuchungsgeräten, insbesondere mit speziellen, gut beleuchteten Vergrößerungsgläsern, das Auge und die Bindehaut an der Innenseite des Augenlids ganz genau betrachten. Handelt es sich um eine Bindehautentzündung, die durch Bakterien oder Pilze ausgelöst wurde, wird er einen Bindehautabstrich vornehmen, um den Erreger zu bestimmen und gezielt behandeln zu können.

Bei Verdacht auf eine allergische Reaktion müssen die Auslöser gefunden werden. Hierfür ist nicht der Augenarzt, sondern der Allergologe erster Ansprechpartner. Ein Allergietagebuch, in dem verzeichnet wird, wann, wo und in welchem Zusammenhang die Symptome auftreten, gibt ihm erste wichtige Anhaltspunkte. Am häufigsten sind saisonale allergische Bindehautentzündungen, die pünktlich zum Pollenflug auftreten. Bei ganzjährigen Beschwerden sind hauptsächlich Hausstaubmilben oder Schuppen von Tieren die Auslöser. Hauttests oder konjunktivale Provokationstests, bei denen die verdächtigen Allergene unter Beobachtung der Reaktionen in Hautkontakt gebracht bzw. in den Bindehautsack des Auges geträufelt werden, helfen bei der genauen Identifizierung des Allergens.

Nach intensivem Allergenkontakt hilft es, das Auge mit klarem, kaltem Wasser auszuspülen. Die Allergene werden dadurch zum Teil entfernt, zudem verschafft die Kühlung Linderung

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Handelt es sich um eine allergische Reaktion, so gelten grundsätzlich die gleichen Maßnahmen wie bei allen anderen Allergien: Der Betroffene muss versuchen, das auslösende Allergen zu meiden. Bei einer allergischen Reaktion auf bestimmte Kosmetika, die nahe den Augen aufgetragen werden, oder auch bei einer Kontaktallergie auf bestimmte Bestandteile von Augentropfen und Salben wird dies nicht allzu schwierig sein. Anders sieht es bei Allergenen aus, die sich, wie beispielsweise Pollen oder Hausstaub, in der Luft befinden. Hier empfiehlt sich unter Umständen eine Hyposensibilisierung, also die schrittweise Gewöhnung an das Allergen.

  • Faustregel: Jede Bindehautentzündung, die nicht innerhalb von 24 Stunden ohne Behandlung abklingt, sollte vom Augenarzt untersucht werden.
  • Treten starke Schmerzen im Augeninneren, Sehverschlechterungen oder einseitige Veränderungen einer Pupille auf, muss ein Facharzt umgehend die Ursache herausfinden und die entsprechende Behandlung beginnen. Ansonsten wird das Auge möglicherweise irreparabel geschädigt.

Akute allergische Erscheinungen an den Augenlidern oder der Bindehaut können mit speziellen Augentropfen gelindert werden. Diese enthalten einen Wirkstoff (Antihistamin), der den Botenstoff Histamin blockiert und dadurch die Entzündungsreaktion bremst. Bei stärkeren Beschwerden hilft auch ein Antihistaminikum, das in Tablettenform eingenommen werden kann. Diese Maßnahmen sollten jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Allergologen oder Augenarzt erfolgen.

Bindehautentzündungen, die durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht wurden, können stark ansteckend sein. Das heißt, die Entzündung kann sich schnell auch auf das andere Auge ausbreiten. Deshalb sollte man nicht am Auge reiben und das betroffene Auge vorsichtig nur mit Einweghandtüchern abtrocknen. Akute bakterielle Bindehautentzündungen werden üblicherweise mit Augentropfen, die ein Breitband- Antibiotikum enthalten, behandelt. Virale Bindehautentzündungen treten häufig in Verbindung mit grippalen Infekten auf. Sie heilen meist ohne medikamentöse Behandlung von alleine wieder ab.

Hinweis für Kontaktlinsenträger:

  • “Wir bleiben draußen” heißt es für Kontaktlinsen, solange die allergischen Symptome anhalten – wie auch sonst bei jeder Entzündung. Dazu rät Dr. med. Gerald Böhme, Kontaktlinsenexperte im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). Außerdem sollte man nach der Gabe von Augentropfen mindestens 15 Minuten warten, bevor die Kontaktlinsen eingesetzt werden.

Keine Selbstmedikation

Auf keinen Fall sollte man zur Selbstmedikation greifen und Augenmedikamente ohne Wissen des Augenarztes anwenden. Augenmedikamente dürfen niemals mitbenutzt werden, selbst wenn derjenige, dem sie verordnet wurden, unter den gleichen Symptomen leidet. Vor Augenkompressen, die zur Linderung des Juckreizes und des Augenbrennens aufgelegt werden, wird ausdrücklich gewarnt. Besonders beliebt sind hier Kompressen aus Aufgüssen von Kamille oder anderen Heilkräutern, die das Auge beruhigen sollen. Doch oftmals lösen diese Kompressen allergische Reaktionen aus, mit zum Teil massiver Lidschwellung und Rötung des Auges.