Verbrennungen der Haut: Ursachen & Behandlung

Heiße Flüssigkeiten, Dämpfe oder Gase, Flammeneinwirkung und Explosionen, starke Sonnenbestrahlung, elektrischer Strom oder Reibung – all dies kann zu Brandverletzungen mit Haut- und Gewebeschäden führen. Bei Kleinkindern sind Verbrennungen und Verbrühungen die zweithäufigste Verletzungsursache.

Wie schnell ist es passiert! Ein unbeobachteter Moment, ein Ruck am Tischtuch – und schon ergießt sich die heiße Kanne Tee über das schreiende Kind, das soeben noch juchzend um den Tisch gekrabbelt ist. Jährlich erleiden allein in Deutschland rund 6 000 Kinder schwere Verbrennungen oder Verbrühungen, deren Heilung häufig langwierig und mit vielen Schmerzen verbunden ist. Die meisten dieser Unfälle passieren im Haushalt: Töpfe mit heißen Flüssigkeiten werden umgestoßen, Kinder greifen auf heiße Kochplatten oder kommen mit offenen Flammen in Berührung. Die Auswirkungen sind bei Kindern besonders schwerwiegend. Schon durch eine Tasse heißen Tee kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche eines Kleinkinds oder Säuglings verbrüht werden. Sind bei Säuglingen mehr als 5 Prozent, bei älteren Kindern mehr als 10 Prozent oder bei Erwachsenen mehr als 20 Prozent der Körperoberfläche verbrannt, müssen die Verbrennungsopfer zur stationären Aufnahme in ein Krankenhaus. Denn bei solch großflächigen Brandwunden besteht u. a. durch den starken Flüssigkeitsverlust die Gefahr eines lebensbedrohlichen Schockzustandes.

  • Als Regel gilt: Die Handfläche eines Menschen entspricht einem Prozent seiner Körperoberfläche.
  • Bei Verbrennungen zweiten und dritten Grades droht Erwachsenen ab zehn Prozent und Kindern ab fünf Prozent verbrannter Körperoberfläche ein lebensgefährlicher Schock.

Der Feuchtigkeitsverlust des Körpers ist die direkte Folge der zerstörten Hautoberfläche. Jede starke Hitzeeinwirkung auf die Haut löst eine oberflächliche Entzündungsreaktion aus. Je nach Hitzegrad und Dauer werden die einzelnen Hautschichten angegriffen und die Hautzellen zerstört. Die umliegenden Gefäße werden durchlässig, so dass Blutplasmaflüssigkeit ins Gewebe austreten kann. So entstehen die mit klarer Flüssigkeit gefüllten Brandblasen.

Schweregrad der Verbrennung

Bei leichten Verbrennungen, man spricht hier von einer Verbrennung ersten Grades, ist nur die Oberhaut betroffen. Die Haut zeigt sich oberflächlich gerötet, ist mitunter leicht geschwollen und schmerzt. Nach einiger Zeit löst sich die obere Hautschicht und die Verbrennung heilt vollständig ab. Verbrennungen zweiten Grades haben tiefere Hautschichten zerstört. Sie gehen mit Blasenbildungen einher. Sind diese oberflächlich und ist die Wunde nach der Öffnung der Blase rosig bis tiefrot mit feuchtem Grund, so heilt die Verletzung meist innerhalb von zwei Wochen ohne Narbenbildung ab. Ist die Haut jedoch noch tiefer geschädigt und der Wundgrund trocken und schlecht durchblutet, so werden nach der Heilung Narben zurückbleiben. Bei Verbrennungen dritten Grades sind alle Hautschichten zerstört. Die Haut ist nicht mehr rot, sondern dunkeldunkelbraun bis schwarz verfärbt. Das Gewebe stirbt ab. Hier ist ein chirurgischer Eingriff, oftmals mit mehreren Hauttransplantationen, erforderlich.

Behandlung der Verbrennungen

Entscheidend für die Therapie und den Verlauf der Heilung ist immer das Ausmaß der Haut- und Gewebeschädigung. Leichte, oberflächliche Verbrennungen lassen sich zunächst selbst behandeln. Als erste Maßnahme gilt hier: kühlen, am besten unter fließend kaltem Leitungswasser mindestens zehn bis fünfzehn Minuten, bis der Schmerz allmählich nachlässt. Anschließend sollte die verletzte Hautfläche möglichst unbedeckt gehalten werden. Zeigen sich nach zwei Tagen Anzeichen einer Infektion, tritt Fieber oder Schüttelfrost auf, schwillt die Wunde an oder eitert, muss dringend ein Arzt hinzugezogen werden.

Tiefe, großflächige Verbrennungen zweiten und dritten Grades sind lebensgefährlich. Sie müssen sofort medizinisch versorgt werden. Da die verbrannte, zerstörte Haut ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen kann, steigt das Risiko für eine Infektion mit Bakterien und Pilzen. Außerdem ist der Körper nicht mehr ausreichend vor dem Austrocknen geschützt. Der starke Verlust an Gewebsflüssigkeiten und dadurch an wichtigen Eiweißen und Salzen muss durch die Zuführung großer Mengen Elektrolytlösung ausgeglichen werden. Zur Abdeckung der Wunden sind oftmals mehrere Operationen mit Eigenhautverpflanzungen erforderlich. In aller Regel wächst verpflanzte Haut gut an, denn Haut ist ein “dankbares” Gewebe. Hautzellen vermehren sich rasch, und so haben dank fortschrittlichster medizinischer Technik die meisten Brandopfer gute Heilungschancen.

Eigenhauttransplantation

Selbst wenn nur noch wenig gesunde Hautoberfläche zur Transplantation zur Verfügung steht, gelingt es in hoch entwickelten Spezialkliniken, die Wunden mit eigener Haut abzudecken: Zum einen lassen sich hauchdünne Lagen von unverletzten Hautarealen, abgetragen mit einem feinen Elektrohobel, mechanisch bis auf die sechsfache Fläche auswalzen. Zum anderen können aus jedem Stückchen gesunder Hautfläche im Labor neue Hautzellen gewonnen werden.

Dauerhafte Hautpflege

Großflächige Hauttransplantationen hinterlassen jedoch ihre Spuren. Die Haut wächst meist nicht ebenmäßig nach, da bestimmte Zellen des Bindegewebes einen Überschuss an Kollagen produzieren. Dadurch entstehen unschöne Narbenwucherungen, die als Wülste und Knoten zurückbleiben. Mitunter kann die transplantierte Haut dadurch so spannen, dass die Gelenke wie gefesselt sind oder die Gesichtsmimik erstarrt. Die Brandopfer müssen mühselig üben und trainieren, bis sich die neue Hülle etwas ausdehnt und die Bewegungen mitmacht. Bei Kindern wachsen die Narbenflächen oftmals nicht mit, so dass Folgeoperationen und langwierige Therapien notwendig werden.

Um schlimme Narbenwucherungen zu verhindern, bekommen die Patienten maßgeschneiderte Kompressionswäsche, -strümpfe, -hemden und auch Gesichtsmasken angepasst, die über Monate hinweg, bis zu 2 Jahre, täglich rund um die Uhr getragen werden müssen. Diese Kompressionskleidung übt einen gleichmäßigen Druck auf die verletzten Hautareale aus und verhindert so die Wucherungen. Insbesondere für Kinder ist es eine Qual, monatelang im festen Gummistretch gefangen zu sein.

Schutzmaßnahmen vor Verbrennungen – wenn Kinder im Haushalt leben …

  • Lassen Sie Kinder nie unbeaufsichtigt in der Nähe von offenen Flammen, z. B. Kerzen, Kaminfeuer.
  • Auf Kinder übt Feuer eine große Faszination aus. Daher sollten Feuerzeuge und Streichhölzer niemals offen herumliegen.
  • Kaufen Sie Feuerzeuge mit Kindersicherung.
  • Bevor Sie Ihr Kind in die Badewanne setzen, überprüfen Sie die Wassertemperatur mit Unterarm oder Thermometer. Ein montierter Thermostat verhindert das Einlaufen von zu heißem Wasser und schützt so vor Verbrühungen.
  • Damit sich die Kinder nicht am Herd verbrennen, sollten Sie möglichst nur die hinteren Herdzonen benutzen. Das Montieren eines Herdschutzgitters und einer Schalterabdeckung für die Drehknöpfe des Herds ist ratsam. Da Pfannen und Töpfe mit Stielen leicht heruntergerissen werden können, drehen Sie die Stiele immer nach hinten.
  • Sollte dennoch etwas passiert sein:
  • Keine “Hausmittel” wie Puder, Öle, Desinfektionsmittel etc. anwenden.
  • Verbrennungen und Verbrühungen sind sehr schmerzhaft. Daher gilt immer: Den Verletzten beruhigen, warm halten und nicht allein lassen, bis der Rettungsdienst eintrifft.
  • Notrufnummer: 112

Hilfe für Brandopfer

Die langwierige Therapie erfordert Ausdauer. Hinzu kommt, dass die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit, aber auch die äußere Entstellung nicht nur körperlich, sondern auch seelisch eine Belastung bedeuten. Deshalb brauchen Patienten und deren Angehörige über den Klinikaufenthalt hinaus fachliche Unterstützung und psychische Betreuung. Die “Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V.” und der “Bundesverband für Brandverletzte e.V.” leisten hier wertvolle Arbeit. Sie beraten Verbrennungsopfer und deren Angehörige und setzen sich dafür ein, das spezielle Rehabilitationsangebot für Brandverletzte in Deutschland zu verbessern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Aufklärungsarbeit. Denn viele Unfälle lassen sich verhindern, wenn man die Gefahren rechtzeitig erkennt und richtig einschätzt.