Dermokosmetika für trockene Haut: Qualitätsanforderungen an Hautpflegeprodukte

Kennen Sie das auch? Zusammen mit der Freiluftsaison verabschiedet sich auch der frische Teint. Die Haut wird trocken und fahl, wirkt stumpf und müde. Es fehlt ihr zunehmend an Feuchtigkeit und an Hautfetten. Jetzt muss das richtige Pflegeprogramm gestartet werden, um sie gesund und geschmeidig zu halten.

Die korrekte Bezeichnung für trockene Haut lautet trocken-fettarm oder medizinisch: hydrolipidarm. Denn der Haut fehlt nicht nur Feuchtigkeit, sondern vor allem Fett. Zuständig für die Produktion von Hautfetten sind die Talgdrüsen. Durch Störungen im Fettstoffwechsel oder auch äußere Einflüsse kann ihre Aktivität eingeschränkt sein, was sich vor allem an der äußersten Hautschicht, der Hornschicht, bemerkbar macht. Sie besteht aus mehreren Lagen übereinandergeschichteter Zellen, die von Fetten (Hornschichtlipide) zusammengehalten werden. Sind diese Lipide nicht in ausreichender Menge oder Zusammensetzung vorhanden, so wird die Haut durchlässiger und verliert Feuchtigkeit.

Ursachen trockener Haut

Dermokosmetika

  • Nach Definition der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V. sind Dermokosmetika kosmetische Mittel, die bei speziellen Hautzuständen (z. B. bei zu Akne neigender Haut, bei trocken-fettarmer Haut, bei Faltenbildung) sowie zur Unterstützung der Vorbeugung und Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt werden.
  • Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Wirksamkeit und Verträglichkeit sollten Dermokosmetika bestimmte Anforderungen erfüllen, die teilweise über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Diese Anforderungen sind in Leitlinien beschrieben, die von der Fachgruppe Dermokosmetik der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e.V. erarbeitet wurden.

Eine ganze Reihe von Faktoren begünstigt die Entwicklung einer hydrolipidarmen Haut. Dazu gehören auch äußere Einflüsse, denen unsere Haut in der kälteren Jahreszeit ausgesetzt ist. So macht ihr zum einen der Wechsel von trockener, warmer Luft in geheizten Räumen zur kühlen, feuchteren Herbstund Winterluft zu schaffen, zum anderen lassen kalter Wind und frostige Temperaturen die Haut spröder werden. Denn bei Kälte werden die Haut und das Unterhautfettgewebe weniger stark durchblutet, der Stoffwechsel ist verlangsamt, die Talgdrüsen der Haut produzieren weniger Fett, die Schweißbildung lässt nach. All dies führt dazu, dass die Haut schneller austrocknet.

Viele Menschen leiden allerdings nicht nur saisonal an einer trockenen Haut. Einige, dazu gehören beispielsweise Patienten mit Neurodermitis, haben die erbliche Veranlagung für einen Mangel an Hornschichtlipiden oder für eine verminderte Talgdrüsenaktivität. Sie neigen deshalb dauerhaft zu einer empfindlichen und trockenen Haut. Außerdem tritt Hauttrockenheit sehr häufig infolge einer verminderten Talgproduktion im Alter auf, aber auch als Begleiterscheinung verschiedener Erkrankungen (z. B. Nierenerkrankung, Diabetes mellitus) oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Nicht zu vergessen sind Belastungen der Haut durch falsche Pflege, zu häufiges, intensives Duschen und Baden oder UVStrahlen.

Dermokosmetika für hydrolipidarme Haut

Messung des Wasserverlustes

  • Neben sichtbaren Zeichen der trockenen Haut erlaubt die Messung des transepidermalen Wasserverlustes (TEWL) Rückschlüsse auf den Zustand der Hautbarriere. Mit Hilfe der Corneometrie wird die relative Feuchtigkeit der Hornschicht gemessen, mittels Sebumetrie der Gehalt an Hautfetten bestimmt. Von der Norm abweichende Messwerte treten u. a. bei Patienten auf, deren Haut durch Neurodermitis oder Allergien geschädigt ist, oder aber nach den Wintermonaten, wenn ansonsten gesunde Haut zu Trockenheit neigt.

Hydrolipidarme Haut benötigt eine spezielle Reinigung und Pflege. Ansonsten verliert die Haut weiter an Feuchtigkeit und Elastizität, wird zunehmend rau und rissig und ist vor Umwelteinflüssen nicht ausreichend geschützt. Um eine dauerhafte Schädigung der Hautbarriere zu verhindern und das Risiko von Hautirritationen zu reduzieren, sind Pflegeprodukte gefragt, die den bestehenden Fett- und Feuchtigkeitsmangel ausgleichen und die Barrierefunktion der Haut verbessern. Doch wie verlässlich sind die Versprechungen, die wir auf den Verpackungen und Beipackzetteln lesen?

Die Gesellschaft für Dermopharmazie hat dazu als Hilfestellung den Begriff der Dermokosmetik definiert (siehe Kasten). Diese Bezeichnung soll nur für kosmetische Reinigungsund Pflegeprodukte gelten, die festgelegte dermatologische Voraussetzungen erfüllen und deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Dermokosmetika zur Reinigung trockener Haut

Die bereits gestörte Hautbarriere der trockenen Haut wird bei jedem Waschen und Reinigen zusätzlich belastet, da Fett und hauteigene Feuchtigkeitsfaktoren ausgewaschen werden. Dermokosmetika, die speziell zur Reinigung hydrolipidarmer Haut empfohlen werden, sollten den Nachweis erbracht haben, dass sie die Barrierefunktion, das Wasserbindungsvermögen und den physiologischen pH-Bereich der Hornschicht nicht oder nur geringstmöglich beeinträchtigen.

Manche Produkte enthalten Zusatzstoffe und Fettkomponenten, um eine Rückfettung der Haut zu erreichen. Sie werden beispielsweise als Duschcremes, Dusch- oder Waschöle bezeichnet. Wird eine solche Pflegewirkung versprochen, so sollte dazu auch ein wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden.

Basispflege und -therapie

Die Reinigung und Pflege mit Dermokosmetika, die den speziellen Anforderungen des Hautzustandes genügen, sind ein wichtiger Bestandteil zu Vorbeugung, aber auch eine empfehlenswerte Begleitmaßnahme während und nach einer dermatologischen Therapie.

Dermokosmetika zur Pflege trockener Haut

Pflegeprodukte für trockene Haut unterscheiden sich von Cremes und Lotionen für normale Haut vor allem durch Beigabe spezieller Wirkstoffe, die einen positiven Einfluss auf den Wasser- Fett-Gehalt der Haut haben sollen. Während die Auslobung einer allgemeinen Pflegewirkung keines gesonderten Nachweises bedarf, sollten gemäß der GD-Leitlinie spezielle Wirkungen wie zum Beispiel die Erhöhung des Lipid- oder Wassergehaltes der Haut, die Hautglättung, die Reduktion der Schuppenbildung oder die Verbesserung der Barrierefunktion durch wissenschaftliche Studien belegt sein.

Neben den Wirksamkeitsnachweisen muss selbstverständlich auch die Verträglichkeit der Dermokosmetika geprüft und bewertet werden. Wie alle kosmetischen Mittel unterliegen auch die Dermokosmetika der Kosmetik- Richtlinie der Europäischen Union. Rechtsgrundlagen sind in Deutschland das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetz und die Kosmetikverordnung.