Schadstoffarmes Raumklima: Gesund bauen und wohnen

Ausdünstungen aus Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen können das Raumklima vergiften. Während Schadstoffe im Freien rasch verdünnt werden, findet ein solcher Luftaustausch in Innenräumen nur sehr eingeschränkt statt. Um gesundheitlichen Schäden vorzubeugen, sollten bei Neubau, Umbau- und Renovierungsarbeiten nur unbedenkliche und schadstoffgeprüfte Baustoffe verwendet werden.

Mögliche Folgen einer Schadstoffbelastung in Innenräumen:

  • Befindlichkeitsstörungen mit Symptomen wie Kopfschmerz
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Müdigkeit oder Schlafstörungen
  • Schleimhautreizungen
  • Reizungen des Atmungstraktes
  • Reizungen der Augen
  • Zunahme allergischer Symptome

In unmittelbarer Nachbarschaft mancher Industrieanlagen oder an belebten Straßenkreuzungen ist die ungesunde Luft nahezu greifbar. Doch wer hätte gedacht, dass wir in manchen geschlossenen Räumen mehr gefährliche Schadstoffe über unsere Atemwege aufnehmen als im dichten Stadtverkehr? In vielen Innenräumen herrscht im wahrsten Sinne des Wortes dicke Luft.

Das schlechte Raumklima wirkt sich bei vielen Menschen negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit aus. Kinder und empfindliche Menschen reagieren am stärksten auf Schadstoffe in der Raumluft. Unvermutet treten Beschwerden wie Kopfschmerzen, Unwohlsein und Abgeschlagenheit auf, die Infektanfälligkeit steigt und die Konzentrationsfähigkeit lässt nach. Außerdem können Reizungen der Schleimhäute, die zu geröteten, tränenden Augen, Niesattacken und Fließschnupfen führen, oder auch die Entwicklung von Allergien ihre Ursache in einer erhöhten Schadstoffkonzentration der Luft haben.

Dabei wirken die Schadstoffe in der Regel nicht direkt als Allergene, sie können vielmehr die Sensibilisierung beeinflussen oder eine Reaktion provozieren beziehungsweise aufrechterhalten und verstärken. So sind Schleimhäute, die bereits durch Schadstoffe geschädigt wurden, sehr viel empfänglicher für Allergene aus der Umwelt, die in der Raumluft beispielsweise in Form von Exkrementen der Hausstaubmilbe oder als Bestandteile von Schimmelpilzsporen vorkommen.

Quellen von Innenraumschadstoffen

Besteht der Verdacht einer hohen, gesundheitsgefährdenden Schadstoffkonzentration in den Innenräumen, sollte eine professionelle Raumluftanalyse durchgeführt werden.

Ein großer Teil der Schadstoffe gelangt über Baumaterialien, aber auch mit Einrichtungsgegenständen oder Haushaltschemikalien in die Räume, gast dort im Laufe der Zeit aus den Materialien aus und reichert sich dann in der Raumluft an. Dazu gehören unter anderem Halogenkohlenwasserstoffe, Alkane, aromatische Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Ether, Ester, Aldehyde, Glykole, Terpene und Ketone. Diese organischen Verbindungen werden als leichtflüchtig bezeichnet, da ihre Siedetemperatur zwischen 50 und 260 °C liegt. Nach ihrer englischen Bezeichnung (volatile organic compounds) hat sich die Abkürzung VOC durchgesetzt. Typische Quellen für VOC sind bauchemische Produkte wie Dichtungsmassen, Klebstoffe, Lacke, Farben, Bodenbeläge, Holzschutzmittel sowie Putz- und Reinigungsmittel.

Neben den VOC liefern Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände auch schwerfl üchtige organische Stoffe, also Substanzen mit einer Siedetemperatur über 260 °C. Während die meisten VOC sich innerhalb mehrerer Wochen und Monate und nach häufi gem Lüften allmählich verfl üchtigen, dünsten schwerflüchtige Stoffe noch jahre- bis jahrzehntelang aus. Außerdem heften sie sich häufig an Staubpartikel und Oberflächen wie Gardinen und Tapeten an, die damit zu einer sekundären Schadstoffquelle werden. Zu den bekanntesten und stark gesundheitsbelastenden Vertretern der schwerflüchtigen Substanzen gehören Weichmacher (Phthalate) in Kunststoffen sowie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan in Holzschutz und Teppichen.

Schadstoffquellen meiden

Wer ein neues Haus baut oder seine Wohnung grundrenoviert, sollte von vornherein Materialien auswählen, von denen keine Gesundheitsbelastung ausgeht. Einige Architekten und Bauunternehmen sowie Hersteller von Baumaterialien haben sich auf schadstofffreies Bauen spezialisiert und können hier eingehend beraten. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, neu zu bauen oder Umbaumaßnahmen durchzuführen. In der Regel ist beim Einzug der Innenraumausbau der Wohnung oder des Hauses bereits seit mehreren Jahren abgeschlossen und seitdem unverändert. Welche Baumaterialien dazu genau verwendet wurden, ist auch nicht sofort ersichtlich.

Raumluftanalyse

Besteht der Verdacht einer hohen, gesundheitsgefährdenden Schadstoffkonzentration in den Innenräumen, sollte eine professionelle Raumluftanalyse durchgeführt werden. Die meisten Luftschadstoffe lassen sich mit speziellen Verfahren nachweisen. Da es bislang keine gesetzlichen Regelungen und vorgeschriebenen Grenzwerte für die Schadstoffbelastung in Innenräumen gibt, orientiert man sich bei der Bewertung der Luftqualität an statistisch abgeleiteten Richtwerten. Auch wenn diese Richtwerte im rechtlichen Sinne nicht verbindlich sind, so hat sich in der Praxis doch gezeigt, dass die Überschreitung dieser Werte von den Wohneigentümern und Vermietern ernst genommen wird und Schadstoffquellen gesucht, wenn möglich entfernt oder durch Sanierungsmaßnahmen ausgeschaltet werden.

Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffbelastung

Belastungen verhindern

  • Einsatz überflüssiger Chemikalien im Haushalt vermeiden
  • nicht rauchen
  • „Luftverbesserer“, Duftlampen, Räucherstäbchen o. Ä. möglichst nicht benutzen
  • schadstoffarme Produkte kaufen (z. B. auf die Kennzeichnung „Blauer Engel“ achten)
  • neue Möbelstücke, Einrichtungsgegenstände und Elektrogeräte möglichst erst gut auslüften lassen (z. B. auf dem Balkon oder Dachboden)
  • Garagen und Heizungsräume gut zu den Wohnräumen hin abdichten
  • Lacke und Farben, Pinselreiniger etc. dicht verschlossen und nicht im Wohnraum aufbewahren

Belastungen reduzieren

  • lüften, vor allem bei Belastungen mit Lösemitteln, die nach Renovierungsmaßnahmen mit der Zeit abnehmen
  • Staub entfernen, insbesondere bei Belastungen mit schwerflüchtigen Substanzen, die stark an Staubpartikel adsorbieren (z. B. PCP, PAK); zur Vorsorge oder bei geringfügiger Belastung (z. B. PAK-Kleber unter intaktem Parkett) zusätzlich: Staubfänger wie Gardinen und Vorhänge zweimal im Jahr waschen, Reinigung der Heizkörper