Anhaltende Gesichtsröte: Rosacea

Der wohlklingende Name „Rosenblütchen“ trifft wohl nicht so ganz das Ausmaß und die leidvollen Erfahrungen der Betroffenen. Deutlich weniger schmeichelhaft: die Bezeichnungen Kupferfinne oder Knollennase. Alle drei Ausdrücke stehen für ein und dieselbe Erkrankung, die den medizinischen Namen Rosacea trägt.

Die Rosacea ist eine entzündliche Hautveränderung, die sich ausschließlich und für jeden gut sichtbar im Gesicht abspielt, da sie dort eine deutliche Rötung hervorruft. Die Haut blüht geradezu auf – insofern ist die Assoziation mit rotblühenden Blumen durchaus gegeben.

Schmink-Tricks

  • Es gibt gutes Make-up, mit dem sich Hautrötungen kaschieren lassen. Solche stark abdeckende Schminke, die eine höhere Pigmentdichte besitzt und zudem Witterungseinflüssen, Tränen oder Schweiß besser standhält, wird als Camouflage bezeichnet.

Das Krankheitsbild

Ein Erröten der Gesichtshaut, ausgelöst durch äußere Reize wie beispielsweise starke Temperaturun terschiede, Wind, körperliche An strengung oder auch emotionalen Stress, ist ganz und gar nichts Ungewöhnliches. Deshalb nehmen viele der Betroffenen die ersten Anzeichen der Rosacea nicht als Erkrankung wahr. Nach und nach treten neben der heftigen Hautrötung, dem sogenannten Flush-Symptom, weitere Symp tome auf. So kann es aufgrund der verstärkten Durchblutung der Gesichtshaut zu einer dauerhaften Erweiterung der Blutgefäße kommen.

Bevorzugt auf den mittleren Gesichtspartien, rund um die Nase und auf den Wangen, zeichnen sich die stark erweiterten Äderchen als sichtbare feine, rote Linien ab, ein Phänomen, das medizinisch als Teleangiektasien bezeichnet wird. Phasenweise auftretende Pusteln, Knötchen und Papeln, die auf Entzündungen der Talgdrüsen zurückzuführen sind, kennzeichnen den weiteren Verlauf der Erkrankung. Schließlich kann es zur Bindegewebsvermehrung und Gewebswucherung kommen, die durch eine grobporige, verdickte Haut sichtbar wird, schlimmstenfalls zeigt sich die Volumenzunahme der Haut in Form von Hautwülsten bis hin zur Entwicklung einer „Knollennase”. Diese Veränderungen bilden sich von allein nicht mehr zurück.

  • In Deutschland leiden über vier Millionen Erwachsene unter Rosacea. Die Dunkelziffer wird wesentlich höher eingestuft, da Rosacea oft nicht als Krankheit erkannt und behandelt wird.
  • Rosacea tritt meist im 3. oder 4. Lebens jahrzent auf und erreicht ihren Höhepunkt etwa zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.
  • Frauen erkranken häufiger als Männer. Tritt Rosacea bei Männern auf, so leiden diese zumeist unter einer sehr viel schwereren Krankheitsausprägung.
  • Ein Rosacea-Schub wird häufig durch äußere Faktoren ausgelöst, die individuell sehr verschieden sein können. Begünstigt wird die Erkrankung generell durch alles, was zu einer verstärkten Hautdurchblutung führt.
  • Gängige Rosacea-Auslöser sind: Sonne, Temperaturreize (heißes Bad, Sauna, Kälte, plötzliche Temperaturwechsel), Stress, scharfe Speisen, heiße Getränke, Sport, körperliche Anstrengung, Alkohol.

Bei manchen Patienten sind neben der Gesichtshaut auch die Augen betroffen. Die Entzündungen der Augenlidränder, der Bindehäute oder auch der Hornhaut machen sich durch ein Fremdkörpergefühl, Brennen, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit der Augen bemerkbar und bedürfen, um irreversible Schäden zu vermeiden, unbedingt der augenärztlichen Behandlung.

Hintergrund der Erkrankung

Wie bei vielen Hauterkrankungen sind die medizinischen Ursachen der Erkrankung bislang nicht bekannt. Man vermutet, dass unter anderem eine genetische Veranlagung dafür verantwortlich ist, auf verschiedene Reize mit Gesichtsrötung zu reagieren, und sucht nach verschiedenen auslösenden oder krankheitsbegünstigenden Faktoren. Auffallend ist, dass Rosacea hauptsächlich bei Menschen mit heller Haut auftritt, dass mehrheitlich Frauen betroffen sind und die ersten Krankheitszeichen erst ab dem 3. Lebensjahrzehnt in Erscheinung treten. Solange jedoch konkrete Hinweise zu den Hintergründen der Erkrankung fehlen, ist eine ursächliche Therapie nicht möglich. Die Behandlung, in Kombination mit gezielter Hautpflege und Kosmetik, kann die Symptome jedoch deutlich lindern und dazu beitragen, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Therapie

Wer unter häufigen und ungewöhnlichen Hautrötungen leidet, sollte einen Hautarzt aufsuchen, der, sobald die Diagnose Rosacea bestätigt ist, eine individuelle Therapie einleiten wird. Zur Verfügung stehen antientzündliche Medikamente zur äußerlichen lokalen Anwendung sowie bei schweren Rosacea-Schüben Kapseln und Tabletten, die von innen wirken.

Anhaltende Hautrötung, dauerhaft erweiterte Äderchen, Papeln, Pusteln, Gesichtsschwellung, Bindegewebs- und Talgdrüsenvergrößerungen, grobporige, entzündlich verdickte Haut, Knollennase – das sind die typischen Kennzeichen der Rosacea.

Bei leichten bis mittelschweren Formen der Rosacea werden wirkstoffhaltige Cremes, Lotionen oder Gele auf die be- troffenen Hautstellen aufgetragen. Sie sollen die Entzündung hemmen und zu einer Hautberuhigung beitragen. Reicht diese lokale Therapie nicht aus, weil die Erkrankung weiter fortgeschritten ist und sich bereits starke Hautschwellungen ergeben haben, oder sind die Augen beteiligt, werden Tabletten verordnet. Diese Medikamente wirken sowohl entzündungshemmend als auch gegen die Talgproduktion und Verhornung. Der Nachteil: Sie wirken systemisch, das heißt, anders als Cremes oder Salben erreichen die Wirkstoffe nicht lokal nur die betroffene Hautstelle, sondern sie werden vom Blut aufgenommen und über den Blutkreislauf zum vorgesehenen Ort ihrer Wirkung gebracht. Aus diesem Grund treten bei einer systemischen Therapie häufiger unerwünschte Nebenwirkungen auf, so dass sie nur nach sorgfältiger Abwägung vom Arzt eingesetzt werden wird.

Um die zum Teil entstellenden Merkmale der Rosacea wie die Teleangiektasien oder Gewebsvermehrungen rund um die Nase zu entfernen, ist in manchen Fällen ein operativer Eingriff angezeigt. Die roten Äderchen lassen sich heutzutage relativ problemlos mit einem Laser entfernen. Die sogenannte Knollennase kann ebenfalls mittels eines Lasers auf ihre ursprüngliche Gestalt reduziert werden, indem die Haut- verdickung vorsichtig abgeschliffen beziehungsweise abgeschält wird.

Basismaßnahmen

Neben diesen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten, dank derer sich die Rosacea gut kontrollieren lässt, hat der Patient durch sein eigenes Verhalten Anteil am Erholungsprozess seiner Haut. In diesem Zusammenhang spielt die Hautpflege eine wichtige Rolle.

  • Bloß keinen Stress:
    Autogenes Training und Yoga helfen beim Entspannen.

Zu den Grundregeln der Hautreinigung gehören die Verwendung von milden, seifenfreien Produkten, Waschen mit weder heißem noch kaltem, sondern lauwarmem Wasser sowie der Verzicht auf alkoholhaltiges Gesichtswasser oder Hautpeelings. Außerdem sollte die empfindliche Haut nach der Reinigung sehr vorsichtig abgetrocknet, keinesfalls abgerubbelt werden.

Zur Pflege der Haut werden leichte, wasserhaltige Cremes empfohlen, die nur einen geringen Fett-/Ölanteil besitzen und die möglichst frei von Parfüm- und Konservierungsstoffen sind. Dies gilt auch für dekorative Kosmetikprodukte und Make-ups, mit denen die störenden Hauterscheinungen abgedeckt werden können.

Außerdem sollten all jene Einflüsse, die zu Reizungen der Haut führen, unbedingt vermieden werden. Das bedeutet: Sonnenbäder sind absolut tabu. Die Haut muss auf jeden Fall vor der Sonne und im Winter vor Kälte geschützt werden. Starke Temperaturschwankungen gilt es zu vermeiden. Saunabesuche sind demnach wenig geeignet. Bei Sport und Fitness sollte man geeignete, luftdurchlässige Kleidung wählen und sich Überanstrengungen ersparen. Bezüglich der Ernährung gibt es zwar keine spezielle Diät, allerdings regen heiße, scharfe Speisen sowie der übermäßige Genuss von Alkohol die Durchblutung an und können so einen Krankheitsschub fördern.

Leben mit der Erkrankung

Betroffenen sollte bewusst sein, dass die Rosacea ein Leben lang bestehen bleibt. Das „Rosenblütchen“ kann trotz zunächst erfolgreicher Therapie und entsprechender Hautpfl ege jederzeit und unverhofft wieder aufblühen. Man wird lernen müssen, mit der Erkrankung zu leben, dazu gehört oft genug auch, die vielen neugierigen Blicke zu ertragen. Das fällt mitunter leichter, wenn man offensiv mit der Erkrankung umgeht und gegebenenfalls seine Mitmenschen über sein Leiden, das keinesfalls ansteckend ist, aufklärt.