Hausstaubmilbenallergie: Diagnose – Was ist zu tun?

So richtig nett ist’s nur im Bett – davon wusste schon Peter Alexander ein Lied zu singen. Immerhin verbringen wir dort über ein Drittel unseres Lebens. Doch nicht jeder findet dort den erholsamen Schlaf. Viele werden nachts von Atemnot und Niesattacken geplagt und wachen morgens mit einer verstopften Nase auf. Ursache dafür ist eine Allergie auf Hausstaubmilben, die kleinen Untermieter in unseren Betten.

  • Hausstaubmilben erreichen eine Größe von etwa 0,1 bis 0,5 Millimetern Durchmesser und sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
  • Hausstaub ist ein komplexes Gemisch aus biologischen und chemischen Substanzen. Im Hausstaub befinden sich u. a. Staub-, Schmutz- und Pflanzenpartikel aus der Außenluft, Fasern von z. B. Kleidung und Teppichen, Schimmelpilzsporen, Bakterien, Hautschuppen, Hausstaubmilben und ihre Ausscheidungen.Eine unausweichliche Staubquelle jeder Wohnung sind ihre Bewohner – ob Mensch oder Tier. Ein erwachsener Mensch stößt täglich zwischen einem und zwei Gramm Hautschuppen ab. Davon können sich Millionen Milben ernähren.
  • Die meisten Milben leben genau dort, wo wir besonders viele Schuppen verlieren: in Betten, Kissen und Decken.
  • Plüschtiere sind wahre Staubfänger. Sie sollten des- halb regelmäßig bei 60 °C in die Waschmaschine oder bei mindestens minus 18 °C zwei Tage im Gefrierschrank wohnen. Beides überleben die Milben nicht.

Mit zunehmendem Komfort im Wohnbereich fühlt sich nicht nur der Mensch immer wohler. Auch andere, ungebetene Mitbewohner wie die Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus) finden mit Zentralheizung, winddichten Fenstern, wärmenden Teppichen, wohnlichen Gardinen, gemütlichen Polstermöbeln und warmen Federbetten geradezu paradiesische Lebensbedingungen vor. Denn diese kleinen, lichtscheuen Spinnentiere bevorzugen feuchtwarmes Klima. Temperaturen zwischen 20 und 30 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent stellen ein ideales Milieu für die Milben dar.

In Teppichen, Polstermöbeln und Federbetten finden sie zudem die notwendige Nahrung im Überfluss. Hier sammeln sich neben Haaren, Textilfasern, Federteilchen, Schimmelpilzen und Nahrungsbestandteilen auch abgestoßene Hautschuppen, von denen sich die Hausstaubmilben hauptsächlich ernähren. Optimale Bedingungen finden die Tiere im Bett. Entsprechend sind hier die höchsten Populationen zu verzeichnen – bis zu 10.000 Milben leben hier in einem Gramm Hausstaub.

Da die Tiere aufgrund ihrer geringen Größe mit bloßem Auge nicht zu sehen sind und auch nicht durch die Übertragung von Krankheiten auffallen, stören sie den Hausfrieden erst, wenn man auf sie allergisch reagiert. Dabei sind nicht die Milben selbst, sondern Bestandteile in ihrem Kot die Verursacher der allergischen Reaktion, die sich zunächst hauptsächlich in Form von Niesattacken, tränenden Augen und verstopfter Nase bemerkbar macht. Viele Betroffene verharmlosen diese Beschwerden und unterschätzen die möglichen Folgen einer Hausstauballergie. Unbehandelt kann der allergische Schnupfen jedoch auf die tieferen Atemwege übergehen und zu chronischen Atembeschwerden führen oder sich sogar zu einem Asthma bronchiale ausweiten. Insbesondere bei Kindern mit allergisch bedingtem Asthma gelten die Allergene der Hausstaubmilbe als Hauptauslöser. So zeigen Studien zufolge 80 Prozent der asthmakranken Kinder eine Sensibilisierung gegen den Kot der Milben. Auch ein bestehendes atopisches Ekzem (Neurodermitis) kann sich verschlimmern.

Hausstaubmilbenallergie ist im Herbst besonders heftig

Die Beschwerden bestehen zumeist über das ganze Jahr, am schlimmsten sind sie jedoch im Herbst und Winter. Zum einen halten wir uns in dieser Zeit häufiger in der Wohnung auf, zum anderen sorgt die warme Heizungsluft für eine zusätzliche Allergenbelastung. Die allergieauslösenden Exkremente der Milben werden permanent aufgewirbelt, gelangen in die Atemluft und kommen so mit den Schleimhäuten von Augen, Nase und den tiefen Atemwegen in Kontakt.

Behandlung der Allergie

Typische Symptome für eine Allergie gegen Hausstaubmilben sind Dauerschnupfen, Augentränen und Niesreiz sowie Asthma. Zur Linderung der Symptome kommen Medikamente zum Einsatz, z. B. Antihistaminika, Cromoglicinsäure, Corticosteroide.

Allergische Erkrankungen, so auch die Hausstauballergie, sind bislang nicht heilbar. Durch verschiedene Maßnahmen lässt sich die Schwere der Erkrankung in den allermeisten Fällen jedoch deutlich mindern. Die Behandlungsstrategie stützt sich dabei auf drei Säulen: Vermeidung der Allergene, man spricht auch von Allergenkarenz, Linderung der Symptome durch Medikamente sowie spezifische Immuntherapie zur Gewöhnung des Immunsystems an das Allergen.

Maßnahmen zur Reduzierung der Hausstaubmilben

Eine Wohnung komplett frei von Hausstaubmilben zu halten, ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Was man tun kann und tun sollte, ist, den Milbenbestand weitestgehend zu reduzieren. Dies gelingt am besten, indem man den Tieren ihren Lebensraum so unwirtlich wie möglich gestaltet.

Als erste Maßnahme sollte man versuchen, Staubfänger wie Teppiche, Gardinen, Polster und Wolldecken zumindest aus den Schlafräumen zu verbannen. In diesen Räumen empfiehlt es sich außerdem, durch regelmäßiges Stoßlüften für kühle, trockene Luft zu sorgen – ein Klima, das die Milben gar nicht mögen.

  • Eine Allergie ist eine Fehlreaktion des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) auf an sich harmlose Fremdstoffe, die in den Körper eingedrungen sind. Die Auslöser einer solchen Überreaktion des Immunsystems, die zu einem Entzündungsvorgang im betroffenen Gewebe führt, werden als Allergene bezeichnet. Beim ersten Kontakt mit einem Allergen treten zunächst noch keine Symptome auf. Das Immunsystem hat jedoch als Schutzmaßnahme gegen die vermeintlich gefährlichen Eindringlinge allergenspezifische Antikörper gebildet. Es ist nun sensibilisiert und kann bei jedem weiteren Kontakt sofort eine Abwehrreaktion in Gang setzen.

Hausstaub ist der zweithäufigste Auslöser einer Allergie. Die allergische Reaktion richtet sich gegen Bestandteile im Kot der Hausstaubmilben, die im Hausstaub leben. Die Exkremente der winzigen Spinnentierchen werden als Feinstaub aufgewirbelt und mit der Atemluft inhaliert.

Staub wird trotzdem anfallen. Auf glatten Flächen lässt er sich am besten mit einem feuchten Tuch oder speziellen Anti-Staubtüchern entfernen. Diese Tücher ziehen den Hausstaub durch ihre elektrostatischen Kräfte „magnetisch“ an und schließen ihn anschließend in ihrer wabenartigen Struktur ein. Nach dem Staubwischen wirft man das Tuch samt den Staub-Allergenen einfach in den Mülleimer.

Die bequemste und schnellste Methode zur Reinigung von glatten Fußbodenbelägen und Teppichen ist und bleibt allerdings das Staubsaugen. Allergiker sollten jedoch herkömmliche Staubsaugermodelle meiden, da diese die angesaugte Luft, und mit ihr feinste Staubpartikel, über einen Filter wieder an die Raumluft abgeben. Ideal sind Staubsauger, bei denen die Abluft nach draußen geleitet wird. Doch diese speziellen Saugsysteme sind nicht nur teuer, sondern auch mit hohem Aufwand verbunden, da sie in der Regel nachträglich in die Wohnung eingebaut werden müssen. Aber auch einige der handelsüblichen Staubsauger sind für Allergikerhaushalte geeignet. Diese sind üblicherweise mit sogenannten HEPA-Filtern (High Efficiency Particulate Air) ausgestattet.

Zur Reduzierung der hohen Allergenbelastung im Schlafbereich haben sich Encasing-Bezüge für Matratzen, Kopfkissen und Oberbetten bewährt. Die undurchlässigen Überzüge verhindern nicht nur den Kontakt mit den Milben, sondern entziehen diesen auch die Nahrung, da die Hautschüppchen des Menschen nicht durch die Überzüge gelangen. Außerdem sollten Bettwäsche sowie Kissen und Decke regelmäßig bei mindestens 60 °C gewaschen werden.

  • Leiden Sie morgens beim Aufwachen häufig unter Symptomen wie Husten, Niesen, geröteten Augen, verstopfter oder laufender Nase?
  • Wachen Sie manchmal nachts wegen dieser Symptome auf?
  • Verstärken sich diese Symptome während der Heizperiode?
  • Lassen die Beschwerden nach, wenn Sie die Wohnung verlassen haben?
  • Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, liegt der Verdacht einer Hausstauballergie nahe. Um sicherzugehen, sollten Sie sich einem Allergietest bei einem Facharzt unterziehen.

Hyposensibilisierung

Um den Verdacht der Hausstauballergie zu bestätigen, wird der Allergologe z. B. den Pricktest durchführen. Dabei werden in Flüssigkeit gelöste Allergene auf die Haut aufgetragen. Anschließend wird die Haut dort kurz eingestochen, damit die Substanzen in die Oberhaut gelangen. Liegt tatsächlich eine Allergie vor, so kommt es zu einer Reaktion, die sich in Form von Rötungen oder Quaddeln auf der Haut äußert.

Reicht die Reduktion der Allergene durch diese Maßnahmen nicht aus, um die Allergie zum Abklingen zu bringen, kann den Betroffenen meist mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) geholfen werden. Ziel dieser Behandlung ist es, die Empfindlichkeit des Organismus gegenüber den allergieverursachenden Stoffen herabzusetzen. Bei dieser auch als Hyposensibilisierung bezeichneten Therapie werden dem Allergiker in regelmäßigen Abständen stark verdünnte Extrakte des Allergens unter die Haut gespritzt. Üblicherweise zieht sich die Behandlung über einen Zeitraum von etwa drei Jahren, in denen der Patient anfangs wöchentlich, später in einem Abstand von vier bis sechs Wochen eine genau festgelegte Dosis erhält.

Ob eine spezifische Immuntherapie in Frage kommt oder nicht, kann nur ein allergologisch qualifizierter Facharzt entscheiden. Er wird, sofern die Diagnose eindeutig eine Hausstaubmilbenallergie bestätigt hat, mit dem Patienten die Risiken und den Ablauf einer solchen Behandlung besprechen. Denn es kann nach der Verabreichung des Allergenextraktes zu einer deutlichen allergischen Reaktion kommen, schlimmstenfalls zu einem aller gischen Schock mit Kreislaufversagen. Nach jeder Behandlung muss der Patient deshalb auffällige Veränderungen beobachten.

Die spezifische Immuntherapie hat sich bei vielen Hausstauballergikern bewährt und führt in den meisten Fällen zu einer deutlichen Besserung der Symptome bis hin zur fast völligen Beschwerdefreiheit. Sie entbindet die Betroffenen allerdings nicht von den übrigen Maßnahmen zur Meidung der auslösenden Faktoren.

Alltagstipps für Hausstauballergiker

  • Spezielle milben- und allergendichte Überzüge (Encasings) für Matratzen, Kopfkissen und Oberbetten sind die effektivste Maßnahme, um den Allergenkontakt zu reduzieren. In Einzelfällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten zur Anschaffung der Encasings bzw. gewähren einen Zuschuss. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach.
  • Oberbett, Kopfkissen und Bettwäsche sollten bei 95 °C waschbar sein, mindestens jedoch bei 60 °C.
  • Heizen Sie die Schlafräume möglichst nicht und sorgen Sie durch regelmäßiges Lüften für trockene und kühle Luft.
  • Ziehen Sie Ihre Tageskleidung möglichst nicht im Schlafraum aus.
  • Verzichten Sie im Schlafbereich auf Staubfänger (Vorhänge, Teppiche und Polstermöbel).
  • Befreien Sie die Kuscheltiere Ihrer Kinder von Milben, in dem Sie die Plüschtiere mehrere Tage in die Kühltruhe legen. Waschbare Kuscheltiere sollten Sie regelmäßig bei mindestens 60 °C waschen.
  • Lassen Sie möglichst keine Haustiere in den Schlafbereich.
  • Achten Sie bei der Wahl des Staubsaugers darauf, dass dieser mit speziellen Feinstaubfiltern oder Wasserfiltern ausgestattet ist.
  • Verwenden Sie gegebenenfalls bei Reinigungsarbeiten eine Staubmaske für Mund und Nase.
    Lassen Sie den Staubsaugerbeutel von jemandem wechseln, der keine Hausstaubmilbenallergie hat.
  • Halten Sie Ihre Wohnung frei von Zigarettenrauch.