Gesundes Wohnklima: Pflanzen sorgen für gute Luft

Haben Sie schon mal nachgerechnet, wie viel Zeit sie täglich im Freien verbringen? Sollten es tatsächlich mehr als drei Stunden sein, so liegen Sie klar über dem Durchschnitt und können sich glücklich schätzen. Die meisten berufstätigen Menschen in Deutschland halten sich etwa 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen auf. Davon etwa acht Stunden an ihrer Arbeitsstätte, sieben Stunden in einem Wohnraum und sieben weitere Stunden im Schlafzimmer. Es mangelt uns also im wahrsten Sinne des Wortes an frischer Luft, zumal das Klima in den Räumen oftmals denkbar schlecht ist. Die Luft ist entweder zu schwül, zu feucht oder auch zu trocken, so dass Schleimhäute angegriffen werden und Husten und Heiserkeit die Folge sind. Hinzu kommen möglicherweise Belastungen durch Schadstoffe, die aus Möbeln, Fußbodenbelägen, Wandfarben oder sonstigen Baumaterialien ausdünsten.

Die richtige Pflege, ausreichend Wasser und viel Licht sorgen dafür, dass es den Pflanzen und damit auch den Bewohnern gut geht. Kränkelnde oder kümmerlich wachsende Pflanzen sind kaum in der Lage, für eine Verbesserung des Raumklimas zu sorgen.

Pflanzen als Luftbefeuchtungsanlage

Ideale Voraussetzungen für unser Wohlbefinden sind Innenräume mit einer Temperatur zwischen 18 und 24 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent. Pflanzen tragen zu einer Erhöhung der relativen Luftfeuchte bei, da sie das Wasser, das sie von den Wurzelhaaren aus dem Erdreich aufnehmen, zum Teil an der Blattunterseite wieder an die Luft abgeben. Ein Musterbeispiel für eine hohe Wasserverdunstung ist die Papyrus-Pflanze. Sie verwendet lediglich zwei Prozent der aufgenommenen Wassermenge für ihre Zwecke, 98 Prozent werden wieder verdunstet.

Pflanzen sind unter anderem auch deshalb eine ideale natürliche Luftbefeuchtungsanlage, da sich ihr Wasserverdunstungssystem den natürlichen Verhältnissen anpasst. So steigt im Sommer, bei höheren Temperaturen, auch die Verdunstung über die Blattflächen entsprechend an, bei kühlerem Wetter geht die Verdunstung von alleine wieder zurück. Damit kann in einem Raum mit vielen Pflanzen die Luftfeuchtigkeit auch bei Temperaturschwankungen nahezu konstant gehalten werden.

Pflanzen entgiften die Luft

  • Ohne Pflanzen könnten wir auf der Erde nicht existieren. Im Ökosystem Erde produzieren Pflanzen den Sauerstoff, den Mensch und Tier zum Atmen brauchen. In einem ständigen Austausch nehmen die Pflanzenblätter Kohlendioxid aus der Luft auf und geben Sauerstoff und Wasserdampf wieder ab. Hauptverantwortlich für die Weltproduktion von Sauerstoff sind die tropischen Urwälder. Ein paar Pflänzchen in den eigenen vier Wänden können den notwendigen Sauerstoffaustausch nicht leisten, doch Zimmerpflanzen verbessern die Raumluft entscheidend. Sie wirken nicht nur als Sauerstofflieferanten, sondern sorgen auch für eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und wirken oftmals sogar als Schadstofffilter und Entgifter.

Es gibt noch weitere Argumente, die für einen begrünten Wohnbereich oder Arbeitsplatz sprechen. So lässt sich die Staubbelastung mit Hilfe von Pflanzen um bis zu 20 Prozent reduzieren. Manche Pflanzen besitzen darüber hinaus ungeahnte Fähigkeiten als biologischer Filter von Schadstoffen.

Die beste und schnellste Möglichkeit, die Schadstoffbelastung in Innenräumen zu reduzieren, ist regelmäßiges, gründliches Lüften. Allerdings ist das nicht immer möglich. In einigen Bürohäusern z. B. lassen sich manche Fenster gar nicht öffnen. Mit diesem Problem der unzureichenden Frischluft musste sich unter anderem auch die amerikanische Weltraumbehörde (NASA) beim bemannten Raumflug auseinandersetzen. Bereits in den 1980er Jahren wiesen B. C. Woverton und eine Gruppe von Wissenschaftlern in einer NASA-Studie nach, dass einige Zimmerpflanzen die Fähigkeit besitzen, die Konzentration von gefährlichen Stoffen wie Formaldehyd, Benzol und Kohlenmonoxid in der Raumluft deutlich zu senken. Die Pflanzen nehmen diese Giftstoffe auf und wandeln sie in chemischen Prozessen in unbedenkliche Substanzen um. Grundsätzlich wären alle Pflanzenarten dazu in der Lage. Doch ein Kaktus ist deutlich weniger effektiv als z. B. die Birkenfeige. Maßgeblich für die Filterleistung ist die Fähigkeit der Pflanzen, die Giftstoffe über die Poren ihrer Blätter oder Wurzeln aufzunehmen. Gute Schadstoffverwerter sind neben der Birkenfeige beispielsweise Drachenbaum, Philodendron und Efeutute. Bei guter Pflege, ausreichender Wasserversorgung und guten Lichtverhältnissen ist ihre Aufnahmefähigkeit besonders hoch.

Von den verschiedenen bei uns in den Wohnungen beheimateten Pflanzenarten sind viele noch nicht auf ihre Fähigkeit, Schadstoffe zu filtern, untersucht worden. Die Auswahl an Zimmerpflanzen, die nachweislich zum Abbau bestimmter Luftschadstoffe geeignet sind, ist jedoch groß genug, um die Wohnung in ein Pflanzenmeer zu verwandeln (siehe Tabelle).

Grenzen der pflanzlichen Schadstofffilter

Doch selbst wenn es in Ihrer Wohnung oder im Büro fortan grünt und sich das Raumklima spürbar verbessert hat – eine komplette Luftreinigung allein durch Pflanzen ist nicht möglich. Das gilt insbesondere in stark belasteten Räumen. Wer unter Gesundheitsbeschwerden durch Wohnraumgifte leidet, sollte das Übel an der Wurzel packen, und das bedeutet: Dünsten Luftschadstoffe in sehr großen Mengen aus, etwa aus Teppichen, Möbeln oder Wandfarben, müssen die krank machenden Stoffe aus dem Wohnbereich entfernt werden.

Pflanzen, die besonders zur Entgiftung geeignet sind:

  • Baumfreund (Philodendron selloum) baut Formaldehyd, Benzol, Toluol und Kohlenmonoxid ab; bevorzugt helle bis halbschattige Plätze, sollte immer leicht feucht, aber nicht nass gehalten werden
  • Birkenfeige (Ficus benjamini bzw. Ficus benjamina) baut Formaldehyd ab; bevorzugt hellen Standort, benötigt im Herbst und Frühjahr mehr, in den Wintermonaten weniger Wasser
  • Bogenhanf (Sansevieria trifasciata) baut Benzol und Toluol ab; bevorzugt hellen Standort, hat wasserspeichernde Eigenschaften, verträgt auch mal Trockenheit
  • Drachenbaum (Dracaena deremensis) baut Formaldehyd und Benzol ab; bevorzugt hellen Standort ohne pralle Sonne, die Erde sollte mäßig feucht gehalten werden, im Winter etwas weniger gießen
    Efeu (Hedera helix) baut Benzol ab; bevorzugt helle (buntblättrig) bis schattige (grün) Standorte, sollte mäßig gegossen werden.
  • Efeutute (Epipremnum aureus) baut Formaldehyd, Benzol, Kohlenmonoxid und Nikotin ab; gedeiht an hellen oder halbschattigen Standorten am besten, sollte gleichmäßig feucht gehalten werden
    Einblatt (Spatiphyllum) baut Benzol ab; bevorzugt halbschattige Standorte, sollte mäßig gegossen werden
  • Grünlilie (Chlorophytum elatum) baut Formaldehyd und Kohlenmonoxid ab; bevorzugt helle bis halbschattige Plätze, sollte mäßig, im Winter etwas weniger gegossen werden
  • Purpurtute (Synogonium podophyllum) baut Formaldehyd ab; bevorzugt hellen, aber nicht zu sonnigen Standort, sollte mäßig, im Winter etwas weniger gegossen werden
  • Strahlenaralie (Schefflera arboricola) baut Nikotin ab; bevorzugt helle Plätze, aber keine direkte Sonne, sollte mäßig gegossen werden, verträgt keine zu nasse Erde, sollte aber auch nicht austrocknen