Kinderzimmer zum Wohlfühlen

Es ist der Ort zum Spielen, Malen, Basteln, Lernen und Schlafen. Das Kinderzimmer ist Refugium für den Nachwuchs. Umso wichtiger, dass die Kinder sich in ihrem Raum wohlfühlen. Das Wohnklima und die Luftqualität spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle.

Farbige Wände und lustig gemusterte Tapeten, bunte Möbel und flauschige Teppiche. Solche Kinderzimmer vermitteln eine fröhliche Atmosphäre. Eine Wohlfühlgarantie ist dies jedoch keinesfalls. In manchen liebevoll ausgestatteten Räumen sorgt eine mit Allergenen und Schadstoffen belastete Luft für ein denkbar schlechtes Wohnklima und gefährdet das gesunde Heranwachsen der Kinder. Deshalb sollte man bei der Gestaltung und Einrichtung des Kinderzimmers schadstoffarme, besser noch schadstofffreie Materialien verwenden und Allergenquellen meiden.

Ob und in welcher Form der Einzelne auf Schadstoffe reagiert und welche Schadstoffmengen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen der allgemeine Gesundheitszustand, das Alter sowie die Neigung, Allergien zu entwickeln, eine wichtige Rolle. Auch die Bandbreite der Beschwerden variiert. Schadstoffe in der Atemluft können sowohl zu Befindlichkeitsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit oder Schlafstörungen führen als auch Ursache für Schleimhautreizungen, Reizungen der Atemwege und der Augen sein, allergische Reaktionen auslösen oder Wegbereiter von Allergien sein.

Die Wahl der Anstrichstoffe, Wand- und Bodenbeläge

Kinder sind deutlich anfälliger für Umweltbelastungen. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift und Schadstoffe gelangen leichter über die Atemwege oder die Haut in den Körper. Je früher die Kinder mit potenziellen Allergenen in Kontakt kommen, desto größer ist das Risiko, dass sie eine Allergie entwickeln, an Neurodermitis oder Asthma erkranken.

Die meisten, die frische Farben an die Wand bringen möchten, machen sich zunächst einmal ans Tapezieren. Hoch im Kurs steht die klassische Raufasertapete, die anschließend gestrichen wird, aber auch Papiertapeten, die bereits mit lustigen, kindgerechten Motiven gestaltet sind, erfreuen sich großer Beliebtheit. Eine gute Wahl. Die meisten Tapeten sind frei von bedenklichen Schadstoffen. Viele sind außerdem noch umweltschonend und überwiegend aus Altpapier hergestellt. Diese Produkte erkennt man z. B. an dem Siegel “Blauer Engel”.

Problematischer sind die Anstrichstoffe. Alle Farben und Lacke enthalten neben den Farbpigmenten Bindemittel, Lösemittel und je nach Verwendungszweck weitere Hilfsstoffe wie z. B. Weichmacher und Konservierungsstoffe. Als gesundheitsbelastend gelten dabei vor allem einige Lösemittel, formaldehydhaltige Binde- oder Konservierungsmittel sowie Weichmacher. Bei den Lösemitteln handelt es sich um flüchtige Substanzen, die dafür sorgen, dass die Farbe flüssig bleibt und sich gut verteilen lässt. Nach dem Anstrich dünsten sie in die Raumluft aus. Deshalb der dringende Rat: Renovierte Räume stets gut durchlüften! Viele Farben, die zum Streichen von Wänden, Decken und Tapeten verwendet werden – man bezeichnet sie üblicherweise als Dispersionsfarben –, kommen ohne Lösemittel aus. Sie werden auf Wasserbasis hergestellt und sind damit sehr viel unbedenklicher für die Gesundheit.

Wer alten Möbeln einen neuen Anstrich geben will, greift zumeist zu einem Lack. Lacke sind zum Streichen von Holz-, Metall- und Kunststoffoberflächen besonders geeignet, da sie nach dem Trocknen eine zusammenhängende wasserundurchlässige Schicht bilden und den Untergrund vor Witterungseinflüssen und Beschädigungen schützen. Lacke enthalten je nach Verwendungszweck einen mehr oder weniger hohen Anteil an Lösemitteln. Wenn möglich, sollte man auf Lacke mit niedrigen Lösemittelgehalten zurückgreifen. Es gibt Rezepturen mit 10 Prozent (wasserverdünnbare Acryllacke) bis maximal 70 Prozent (Nitrolacke) Lösemittelanteil. Manche Farben und Lacke sind speziell als Bio- oder Naturfarben ausgewiesen. Bei diesen Produkten werden statt Kunstharzen natürliche Harze, z. B. Lein- oder Holzöl, als Bindemittel eingesetzt und als Lösemittel natürliche Substanzen verwendet, z. B. Citrusterpene oder Balsamterpentinöle. Allerdings sind auch diese natürlichen Terpene nicht völlig unbedenklich. So können die enthaltenen Terpene Allergien hervorrufen, Hautund Atemwege reizen. Wer zum Farboder Lackeimer greift, sollte sich die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe immer sehr genau ansehen. Auch hier hilft das Gütezeichen “Blauer Engel” dabei, gesundheits- und umweltverträgliche Produkte zu erkennen.

  • Bei der Wahl des Bodenbelags steht man vor der Entscheidung: Teppich, Holz, Kork oder Laminat? Alle Beläge sind für ein Kinderzimmer gut geeignet. Neigen die Kinder zu Allergien oder leiden sie unter einer Allergie auf Hausstaub, werden meist glatte Fußböden bevorzugt, die sich leicht durch feuchtes Wischen vom Staub befreien lassen. Tatsächlich ist die Milbenkonzentration in Räumen mit Teppich höher, allerdings wird der Staub auch nicht so schnell aufgewirbelt. Um die Allergenbelastung in der Raumluft auch beim Saugen gering zu halten, werden allergikergerechte Staubsauger mit speziellen Filtersystemen empfohlen. Es spricht also nichts gegen einen Teppichboden. Wichtig ist, dass – ganz gleich, welches Material als Bodenbelag den Vorzug bekommt – schadstoffarme Produkte ausgesucht werden. So können aus manchen Teppichen Schadstoffe wie Lösemittel und Weichmacher ausdünsten, Laminat und Fertigparkett können Formaldehyd, Korkböden außerdem noch Bindemittel enthalten.

Kindermöbel

Geht es ans Einrichten des Zimmers, hat man es auch bei Möbeln wieder mit den üblichen Verdächtigen zu tun, die als gesundheitsgefährdende Stoffe aus den verschiedensten Materialien, Holzstoffen, Klebern, Beschichtungen oder Textilien ausdünsten können. Das sind vor allem Lösemittel, Weichmacher und Formaldehyd. Gütesiegel wie der “Blaue Engel”, das “Goldene M” der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel oder das Siegel “ECO” des Eco- Instituts bieten beim Kauf von Kindermöbeln eine gute Orientierungshilfe. Sie garantieren die Einhaltung von bestimmten Schadstoffrichtwerten.

Als gesundheitsgefährdende Stoffe, die aus Farben, Lacken, Baumaterialien, Bodenbelägen oder Möbeln ausdünsten können, gelten u. a.:

  • Formaldehyd – eingesetzt als Trocknungs- und Bindemittel in Anstrichen, Klebern und Leim
  • Terpene – eingesetzt als Lösemittel in Lacken und Klebern
  • Phthalate – eingesetzt als Weichmacher und Lösemittel u. a. in Bodenbelägen, Lacken, Anstrich- und Beschichtungsmitteln
  • Biozide – eingesetzt zur Bekämpfung von Schimmelpilzbefall in Holzschutzmitteln, Lacken und Farben oder gegen Mottenfraß z. B. in Teppichen und Möbeln

Informieren Sie sich:
Übersichten über Schadstoffe in Baustoffen, Farben und Lacken und die von ihnen möglicherweise ausgehenden gesundheitlichen Belastungen sowie Hinweise auf Gütesiegel für schadstoffarme Produkte finden Sie im Internet unter:

  • www.schadstoffberatung.de
  • www.umweltbundesamt.de
  • www.bfr.bund.de