Kranke Haut durch den Job

Als Jahrgangsbeste hat Melanie ihre Ausbildung als Konditorin abgeschlossen und ist hochmotiviert in ihren neuen Job gestartet. Raue, trockene Hände nach der Arbeit, das kannte sie schon seit dem ersten Lehrjahr, aber erst, als sich juckende Bläschen an den Fingern zeigten, schenkte sie ihren Händen mehr Aufmerksamkeit. Zu spät. Seit zwei Wochen ist Melanie krankgeschrieben. Die Ekzeme und Schmerzen sind so stark geworden, dass an Teigkneten erst einmal nicht zu denken ist. Die Haut braucht Zeit, um sich zu erholen. Wann und ob die junge Konditorin in ihren Beruf zurückkehren kann, ist ungewiss.

Dass berufsbedingte Erkrankungen der Karriere ein jähes Ende bereiten, ist leider keine Seltenheit. Hauterkrankungen – allen voran das chronische Handekzem – gehören zu den häufigsten Berufserkrankungen überhaupt.

Chronisches Handekzem

Achten Sie auf Ihre Hände!

Das Handekzem entwickelt sich häufig schleichend. Das heißt, zunächst treten nur gelegentlich Krankheitszeichen auf, die sich dann schubweise verstärken können.

Die folgenden Hautsymptome, die in den Handflächen, auf dem Handrücken, an den Fingern und Fingerspitzen sowie zwischen den Fingern auftreten können, sind möglicherweise ein Hinweis auf ein Handekzem:

  • gerötete Haut
  • trockene, leicht schuppende Haut
  • juckende, schmerzende Hautstellen
  • schmerzhafte, leicht entzündete Einrisse
  • entzündete Fingerkuppen
  • Bläschenbildung
  • Schwellung
  • verstärkte Hornhautbildung

Das größte Risiko, an einem Handekzem zu erkranken, tragen Menschen, deren Hände immer wieder mit Wasser und hautreizenden Stoffen in Berührungen kommen. Dazu gehören Friseure, Bäcker, Floristen, Konditoren, Fliesenleger, Metallarbeiter und Beschäftigte in Gesundheitsberufen. Bei starker Ausprägung des Ekzems können die Betroffenen nicht richtig zugreifen und sind in ihren alltäglichen Aktivitäten massiv eingeschränkt. Das Handekzem hat überhaupt nur eine Chance abzuklingen, wenn die auslösenden Faktoren gemieden werden. Viele Betroffene müssen deshalb längere Zeit ihren Beruf aussetzen oder sogar ganz aufgeben. Doch nicht immer kennt man die Auslöser oder kann ihnen vollständig aus dem Weg gehen. Deshalb bedarf es einer Therapie der kranken Haut, die stark vom Schweregrad des Ekzems abhängt. Um einer Chronifizierung vorzubeugen, bedürfen auch leichte Handekzeme auf jeden Fall einer Behandlung.

Schützen Sie Ihre Hände! Tragen Sie bei der Arbeit Baumwoll- oder allergenarme Kunststoffhandschuhe.

Arbeitnehmer, bei denen sich durch ihre berufliche Tätigkeit die Haut krankhaft verändert, sollten deshalb unverzüglich einen Hautarzt oder den Betriebsarzt aufsuchen. Dieser kann das sogenannte Hautarztverfahren einleiten.

Hautarztverfahren

Das Hautarztverfahren wurde in Zusammenarbeit von der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) entwickelt. Es soll dazu beitragen, dass berufsbedingte Hauterkrankungen schneller erkannt und umgehend effektive therapeutische sowie präventive Maßnahmen veranlasst werden, damit die Hauterkrankung nicht zur Berufsunfähigkeit führt. Kernpunkt des Verfahrens ist die Zusammenarbeit von Hautarzt, Betriebsarzt und Unfallversicherungsträger, in der Regel ist dies die Berufsgenossenschaft. Das bringt für den Betroffenen einige Vorteile: Die Berufsgenossenschaft übernimmt nicht nur die Behandlungskosten, sondern auch Hautschutz- und Hautpflegemittel, die der Patient sonst selber bezahlen müsste, werden rezeptfähig und sind somit kostenfrei. Darüber hinaus hat der Patient Zugang zu Hautschutzseminaren und stationären Heilverfahren. Sollte es nicht möglich sein, dass der Patient nach der Therapie in den Beruf zurückkehrt, kann die Umschulung durch die Berufsgenossenschaft finanziert werden.

hautarzt

Keine Angst vor Problemen mit dem Arbeitgeber

Der Arbeitgeber muss im ersten Schritt nicht über das Verfahren informiert werden. Allerdings führt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Patienten, dem behandelnden Arzt und dem Unternehmen am ehesten zum gewünschten Erfolg. Denn es ist bei einem Handekzem sinnvoll, Arbeitsabläufe zu überprüfen und gegebenenfalls so umzugestalten, dass ein besserer Hautschutz gewährleistet ist. Davon profitieren dann auch die Kollegen. Zwar sind in vielen Berufen bereits Schutzmaßnahmen, wie z. B. das Tragen von Arbeitshandschuhen und die Bereitstellung von Hautschutz-, Hautpflege- und Hautreinigungsprodukten, vorgeschrieben. Dennoch sind viele Arbeitnehmer noch nicht ausreichend für das Thema sensibilisiert. Nach Schätzungen von Hautärzten unterziehen sich nur etwa 50 Prozent aller Patienten mit Handekzemen einer dermatologischen Behandlung.

Vermeiden Sie Stress und treiben Sie Sport!

  • Eine aktuelle Studie aus Schweden zeigt, dass Handekzeme bei gestressten Personen im Schnitt um knapp 33 Prozent häufiger auftreten als bei ausgeglichenen Zeitgenossen. Außerdem leiden sportlich Aktive deutlich seltener unter Ekzemen: Da beim Sport die Blutwerte einiger entzündungsfördernder Stoffe zurückgehen und die von antientzündlichen Botenstoffen steigen, könnte Sport die Entzündungsprozesse bei Ekzemen mildern, vermuten die Wissenschaftler.