Kuhmilchproteinallergie: Spezialnahrung für betroffene Säuglinge

Die Kuhmilchproteinallergie ist die häufigste Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter. Man geht davon aus, dass rund zwei Prozent der Kinder darunter leiden. Spezielle therapeutische Säuglingsnahrungen stellen sicher, dass betroffene Säuglinge, die nicht gestillt werden können, dennoch mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Mit der Geburt beginnt die Ausprägung des körpereigenen Immunsystems. Der Organismus, der sich nun zunehmend mit körperfremden Stoffen auseinandersetzen muss, lernt nach und nach, harmlose von schädlichen Fremdstoffen zu unterscheiden und sich gegen Letztere zu schützen. Dies ist einer der Gründe dafür, warum die frühe Entwicklungsphase des Säuglings für die Ausbildung von Allergien eine besondere Rolle spielt. Da außerdem die Darmschleimhaut bis Ende des sechsten Monats noch deutlich durchlässiger ist als im späteren Leben, können fremde Eiweißmoleküle (Proteine) aus der Nahrung leichter in den Organismus gelangen.

Reagiert das Abwehrsystem auf die Fremdproteine mit einer überschießenden Immunantwort, so ist dies der Beginn einer Nahrungsmittelallergie. Neben der Muttermilch ist Kuhmilch eines der ersten Lebensmittel, mit denen ein Säugling in Kontakt kommt. Während Muttermilch als einziges Nahrungsmittel körpereigenes Eiweiß enthält, gegen das keine Allergie entwickelt werden kann, und lediglich durch die Ernährung der Mutter geringe Mengen möglicher Allergene in der Muttermilch zu finden sind, besitzen Kuhmilchproteine ein nicht unerhebliches allergenes Potenzial.

Kuhmilchproteine

  • Eine Kuhmilchproteinallergie kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Mögliche Symptome sind juckender Hautausschlag, Lippenschwellung, Atemnot, Erbrechen oder wässriger, schleimiger Durchfall. Darüber hinaus kann es bei einer bestehenden Neurodermitis zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes kommen.
  • Die Kuhmilchproteinallergie verliert sich meist mit zunehmendem Lebensalter. Etwa 75 % der betroffenen Kinder vertragen im Alter von 2 Jahren und 90 % bis zum Schulalter wieder Kuhmilch.

Das Kuhmilchprotein setzt sich aus verschiedenen Eiweiß-Komponenten zusammen, die ganz unterschiedlich in ihren Eigenschaften und auch in ihrer allergenen Wirkung sind. Grob lassen sich die Milchproteine in zwei Gruppen einteilen: die relativ hitzestabilen und nicht tierartspezifisch aufgebauten Kaseine und die tierspezifischen und hitzeempfindlichen Molkenproteine. Kaum ein Allergiker reagiert auf alle Milchproteine allergisch. Damit erklärt sich unter anderem, dass die Symptome nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten stark variieren können. Liegt beispielsweise eine Allergie gegen ein hitzelabiles Protein vor, kann der Allergiker möglicherweise keine Rohmilch, sehr wohl jedoch gekochte oder verarbeitete Milch sowie einige Käsesorten vertragen. Die früher ausgesprochene Empfehlung, dass Menschen, die auf ein tierspezifisches Molkeneiweiß der Kuhmilch allergisch reagieren, auf Ziegen- oder Schafmilch ausweichen sollten, wird heutzutage sehr kontrovers gesehen. Studien haben gezeigt, dass die Proteine eine sehr hohe Ähnlichkeit aufweisen und deshalb allergische Reaktionen keinesfalls ausgeschlossen werden können.

Besonderheiten bei der Ernährung von Säuglingen mit KMPA

Eine gesunde und vollwertige Ernährung, die gänzlich ohne Milch und Milchprodukte auskommen muss, ist eine Herausforderung. Milch ist der Eiweiß- und Kalziumlieferant für unseren Organismus. Während ältere Kinder und Erwachsene mit KMPA ihre Eiweiß- und Kalziumversorgung durch andere Lebensmittel sicherstellen können, ist dies bei Kindern in den ersten Lebensmonaten kaum möglich. Säuglinge, bei denen sich nach der allergologischen Diagnostik der Verdacht auf eine KMPA bestätigt hat und die nicht gestillt werden können, benötigen folglich eine spezielle therapeutische Nahrung. Diese muss ein normales Wachstum und Gedeihen garantieren und Mangelerscheinungen verhindern.

Ernährungsempfehlungen

Sofern ausschließliches Stillen nicht möglich ist, rät u. a. die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) dazu, Säuglinge mit KMPA in den ersten sechs Monaten mit einer extensiven Hydrolysatnahrung (eHF) zu füttern. Diese Spezialnahrungen sind ganz den Bedürfnissen der Säuglinge angepasst. Sie enthalten alle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge, so dass eine ausschließliche Ernährung mit diesen Produkten empfohlen werden kann.

Bei der eHF-Nahrung wurde das enthaltene Eiweiß durch Hydrolyse – darunter versteht man die Aufspaltung einer chemischen Verbindung – in kleinere Bruchstücke zerlegt. Das so aufgespaltene Eiweiß löst nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen eine Allergie aus. Falls doch eine Unverträglichkeit auf diese eHF-Nahrungen auftritt, können Nahrungen auf Basis freier Aminosäuren (AAF) zum Einsatz kommen.

Je nach Ausprägung der KMPA kann es erforderlich sein, dass die therapeutisch notwendige Diät auf 12 Monate ausgedehnt werden muss. Anschließend sollte noch einmal überprüft werden, in welchem Ausmaß und in welcher Form das Kind Kuhmilchproteine verträgt und ob die Diät gegebenenfalls erneut verlängert werden muss.

Bei der stufenweisen Einführung von Beikost bis hin zum Aufbau einer altersgerechten Mischkost für Kinder über das erste Lebensjahr hinaus müssen Kinderarzt und Allergologe individuell kontrollieren, welche Nahrungsmittel geeignet sind und wie eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen, insbesondere Kalzium, gegebenenfalls auch ohne Milchprodukte sichergestellt werden kann.

  • Säuglinge, bei denen der Allergologe den Verdacht auf eine Kuhmilchproteinallergie bestätigt hat, sollten bis zum vollendeten 12. Lebensmonat eine therapeutische Spezialnahrung bekommen. Dabei handelt es sich um eine extensiv hydrolysierte Formel (eHF) oder eine Aminosäurenformel (AAF).
  • Studien haben gezeigt, dass das Wachstum und Gedeihen bei einer solchen Ernährung ungestört verläuft. Besteht die Kuhmilchproteinallergie über das 1. Lebensjahr hinaus, muss der Arzt individuell entscheiden, ob eine altersgerechte Versorgung mit allen Nährstoffen erreicht werden kann.
  • Nach mehreren Monaten therapeutischer Diät sollte unter ärztlicher Aufsicht getestet werden, ob die Allergie nach wie vor besteht, damit die stark eingeschränkte Ernährung nicht unnötig lange fortgesetzt wird.